Gegen­über her­kömm­li­chen Heiz­sys­te­men haben Wär­me­pum­pen den Vor­teil einer unschlag­ba­ren Effi­zi­enz. Damit ihr Ein­satz wirt­schaft­lich sinn­voll ist, soll­te stets das gesam­te Sys­tem von Gebäu­de und Heiz­sys­tem betrach­tet wer­den

Wär­me­pum­pen sind kei­nes­wegs eine neue Ent­wick­lung. Am Anfang stan­den Über­le­gun­gen zur Effi­zi­enz­stei­ge­rung und Res­sour­cen­scho­nung – eine bemer­kens­wer­te Par­al­le­le zu heu­te.

Es war ein Öster­rei­cher, der eines der ers­ten funk­ti­ons­fä­hi­gen Model­le einer Wär­me­pum­pe kon­stru­ier­te. Im Jahr 1855 stand der Mon­ta­n­in­ge­nieur Peter von Rit­tin­ger vor dem Pro­blem, dass die Sali­ne Eben­see gewal­ti­ge Men­gen Holz brauch­te, um durch das Ver­damp­fen der Sole Salz zu gewin­nen. Er ent­wi­ckel­te ein „Abdampf­ver­fah­ren“, das auf dem phy­si­ka­li­schen Effekt des Pha­sen­über­gangs von Flüs­sig­kei­ten in den gas­för­mi­gen Zustand und umge­kehrt beruh­te. Bis­lang bedien­te man sich die­ses ther­mo­dy­na­mi­schen Prin­zips um Räu­me zu küh­len und Eis zu erzeu­gen. Dass man die­ses Prin­zip auch nut­zen konn­te, um Wär­me zu „erzeu­gen“, dar­auf hat­te bereits 1852 der bri­ti­sche Ent­wick­ler Lord Kel­vin (nach dem die
Kel­vin-Ska­la benannt wur­de) hin­ge­wie­sen. Von Rit­tin­ger setz­te dies in die Pra­xis um und bau­te 1857 den ers­ten Pro­to­typ einer Wär­me­pum­pe. Er berech­ne­te, dass man damit, im Ver­gleich zur bis­he­ri­gen Pra­xis der Sohl­ver­damp­fung über Holz­feu­er, 80 % der ein­ge­setz­ten Ener­gie spa­ren könn­te. Das ent­sprach einer Men­ge von 293.000 m³ Holz jähr­lich.
Peter von Rit­tin­gers Wär­me­pum­pe blieb nicht die ein­zi­ge. In den fol­gen­den Jah­ren gin­gen in ande­ren Salz-
berg­werk­gen in der Schweiz, in Deutsch­land und in Frank­reich – ver­bes­ser­te – Wär­me­pum­pen in Betrieb.
Doch erst nach dem Ers­ten Welt­krieg begann man, Wär­me­pum­pen auch für die Raum­hei­zung und die Warm­was­ser­be­rei­tung zu ent­wi­ckeln. Vor­rei­ter war die Schweiz, die gro­ßen Man­gel an fos­si­len Brenn­stof­fen wie Öl und Koh­le hat­te, aber über reich­lich „Wei­ße Koh­le“ ver­füg­te – elek­tri­schen Strom aus Was­ser­kraft­wer­ken. Wär­me­quel­len waren Grund­was­ser, Was­ser aus Seen und Abwär­me. Die Ent­wick­lung hielt auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg an. 1955 waren in der Schweiz 60 Wär­me­pum­pen in Betrieb; die größ­te von ihnen hat­te eine Leis­tung von 5,86 MW.


In den 1950er und 1960er Jah­ren waren die Prei­se für Roh­öl auf einem Tief­stand. Das brach­te mit sich, dass alter­na­ti­ve Heiz­quel­len unren­ta­bel wur­den. Die wei­te­re Ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen sta­gnier­te. Der Ölpreis­schock in den 1970er Jah­ren rela­ti­vier­te die­se Ent­wick­lung etwas, aber erst in den 1980er Jah­ren begann der Wär­me­pum­pen­markt wie­der Fahrt auf­zu­neh­men. Im Jahr 1990 wur­den in Öster­reich 790 Wär­me­pum­pen für Hei­zung und 6.420 Wär­me­pum­pen für Brauch­was­ser ver­kauft. Im Jahr 2024 waren es 52.180 Stück Wär­me­pum­pen, davon 43.190 Hei­zungs­wär­me­pum­pen und 8.990 Brauch­was­ser­pum­pen. Das Rekord­jahr für Wär­me­pum­pen war 2022 mit etwa 50.000 instal­lier­ten Wär­me­pum­pen. Für den Rück­gang der Ver­kaufs­zah­len ab 2023 wird vor allem die zöger­li­che Neu­bau­tä­tig­keit ver­ant­wort­lich gemacht.


Gro­ßer Vor­teil: Effi­zi­enz
Wie der Name nahe­legt, „pumpt“ eine Wär­me­pum­pe Wär­me von einem Ort zum ande­ren. Bemer­kens­wert ist, dass sie die Wär­me von einem übli­cher­wei­se küh­le­ren Medi­um (Grund­was­ser, Außen­luft) in eine wär­me­re Umge­bung schau­felt – zum Bei­spiel in Innen­räu­me von Gebäu­den. Von sel­ber wür­de Wär­me den umge­kehr­ten Weg neh­men – gemäß dem Gesetz der Entro­pie wür­de sie von der war­men Umge­bung in die kal­te Umge­bung flie­ßen. Des­halb ist mecha­ni­sche Ener­gie not­wen­dig, um die Wär­me ent­ge­gen die­sem Gefäl­le zu trans­por­tie­ren. Eine Wär­me­pum­pe ist das Gegen­stück zu einem Ver­bren­ner­mo­tor: In die­sem wird Wär­me, die bei der Ver­bren­nung von Treib­stoff ent­steht, in mecha­ni­sche Ener­gie umge­wan­delt. Bei der Wär­me­pum­pe wird mecha­ni­sche Ener­gie dazu benutzt, um Wär­me­en­er­gie von einem nied­ri­gen Ener­gie­ni­veau auf ein höhe­res zu trans­por­tie­ren.
Der Vor­teil einer Wär­me­pum­pe gegen­über einer klas­si­schen Hei­zung ist der höhe­re Wir­kungs­grad. Sie ist in der Lage, aus einer Kilo­watt­stun­de Strom unge­fähr 4 Kilo­watt­stun­de Wär­me zu „erzeu­gen.“ Wär­me­pum­pen kön­nen auch bei nied­ri­gen Außen­tem­pe­ra­tu­ren noch Wär­me her­aus­ho­len, die zur Raum­tem­pe­rie­rung genutzt wer­den kann. Gren­zen zieht hier nicht so sehr die Phy­sik als die Wirt­schaft­lich­keit.


Kenn­zah­len der Ener­gie­ffi­zi­enz
Für die Effi­zi­enz einer Wär­me­pum­pe sind die Kenn­grö­ßen COP und SCOP wesent­lich.
COP (Coef­fi­ci­ent of Per­for­mance) bezeich­net das Ver­hält­nis zwi­schen der abge­ge­be­nen Wär­me­leis­tung in Kilo­watt und der auf­ge­nom­me­nen elek­tri­schen Leis­tung in Kilo­watt. Die­se Kenn­zahl wird unter Labor­be­din­gun­gen gemes­sen.
Der SCOP (Sea­so­nal Coef­fi­ci­ent of Per­for­mance) berück­sich­tigt dar­über hin­aus auch den jah­res­zeit­li­chen Tem­pe­ra­tur­ver­lauf. Der SCOP misst das Ver­hält­nis zwi­schen Leis­tungs­auf­nah­me und abge­ge­be­ner Leis­tung bei vier unter­schied­li­che Außen­tem­pe­ra­tu­ren, die den Jah­res­zei­ten ent­spre­chen.

COP und SCOP wer­den nach fest­ge­leg­ten Nor­men gemes­sen. Sie die­nen Fach­pla­nern als Kri­te­ri­um, um ver­schie­de­ne Wär­me­pum­pen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Sie sind auch Grund­la­ge für Güte­sie­gel. Mit ihnen kön­nen Min­destef­fi­zi­enz-Kri­te­ri­en für Wär­me­pum­pen defi­niert wer­den.

Da es sich unter Mes­sun­gen unter Labor­be­din­gun­gen han­delt, errei­chen Wär­me­pum­pen die­se Wer­te unter Pra­xis­be­din­gun­gen in der Regel nicht.

Für die Defi­ni­ti­on von Leis­tung und Effi­zi­enz einer bestehen­den Wär­me­pum­pe unter Pra­xis­be­din­gun­gen ist die Jah­res­zahl (JAZ) die wich­tigs­te Kenn­gro­ße. Sie bezeich­net das Ver­hält­nis von ein­ge­setz­tem Strom zur „erzeug­ten“ Wär­me inner­halb eines Jah­res. Sie berück­chh­tigt dabei aber auch – im Unter­schied zu COP und SCOP – auch sämt­li­che „Hilfs­en­er­gien“, die zum Bei­spiel zum Betrei­ben von Steu­er­elek­tro­nik und Pum­pen ein­ge­setzt wird.

Die Jah­res­zahl lässt sich nur rück­wir­kend für ein gan­zes Jahr bestim­men. Sie ist ver­gleich­bar mit dem „Jah­res­nut­zungs­grad“ einer her­kömm­li­chen Heiz­an­la­ge. Die­ser wird an einer bestehen­den Hei­zungs­an­la­ge gemes­sen und berück­sich­tigt sowohl Betriebs­ver­lus­te als auch ver­schie­de­ne Betriebs­zu­stän­de. Da hier­bei das gesam­te Sys­tem betrach­tet wird, hat auch die ener­ge­ti­sche Qua­li­tät des Gebäu­des Ein­fluss auf die Jah­res­zahl, sowie die hydrau­li­sche Ein­bin­dung der Wär­me­pum­pe in das Sys­tem der hei­zungs­tech­ni­schen Anla­ge, die Vor­lauf­tem­pe­ra­tur, die Grö­ße der Heiz­flä­chen und auch das Nut­zer­ver­hal­ten, unter ande­rem der Ver­brauch an Warm­was­ser.

Wär­me­pum­pen im Bestand
Wär­me­pum­pen las­sen sich in vie­len Fäl­len in bestehen­de Gebäu­de inte­grie­ren und erset­zen dort her­kömm­li­che fos­si­le Hei­zun­gen. Moder­ne Wär­me­pum­pen errei­chen höhe­re Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren als älte­re Gerä­te. Dadurch kön­nen even­tu­ell bestehen­de Heiz­kör­per wei­ter­ver­wen­det wer­den und müs­sen nicht durch Fuß­bo­den­hei­zun­gen oder groß­flä­chi­ge­re Heiz­kör­per ersetzt wer­den. Vor­aus­set­zung ist aller­dings eine gedämm­te Außen­hül­le, um den Heiz­wär­me­be­darf zu sen­ken.

Nicht immer ist die Wär­me­pum­pe die ers­te Wahl. Außen­luft-Wär­me­pum­pen sind zwar rela­tiv kos­ten­güns­tig in der Anschaf­fung. Alt­bau­ten der Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­se E, F oder G benö­ti­gen jedoch Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren ihres Heiz­sys­tems, die von Außen­luft-
Wär­me­pum­pen nicht mehr effi­zi­ent erzielt wer­den kön­nen. Das macht sich am Ende des Jah­res durch hohe Strom­kos­ten bemerk­bar. Kri­tisch ist in die­sem Fall auch die Lärm­ent­wick­lung zu sehen: Je mehr Leis­tung eine Wär­me­pum­pe zu erbrin­gen hat, umso mehr Geräusch­emis­sio­nen ver­ur­sacht sie.

Im Ein­zel­fall sind für alte, unsa­nier­te Gebäu­de Grund­was­ser-Wär­me­pum­pen sinn­voll. Es soll­te aber sorg­fäl­tig abge­klärt wer­den, ob mit gerin­ge­ren Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren die Räu­me auf die gewünsch­te Tem­pe­ra­tur erwärmt wer­den kön­nen. Meist sind für die­se Gebäu­de Pel­lets-Zen­tral­hei­zun­gen eine Alter­na­ti­ve, die auch hohe Vor­lauf­tem­per­tur­ne bereit­stel­len.
Für Alt­bau­ten oder teil­sa­nier­te Gebäu­de der Effi­zi­enz­klas­se D sind Grund­was­ser-Wär­me­pum­pen meist zu emp­feh­len. Ob auch der Ein­satz einer Luft-Wär­me­pum­pe sinn­voll ist, muss im Ein­zel­fall geklärt wer­den.

Gene­rell soll­te bei Alt­bau­ten über­prüft wer­den, wel­che Vor­lauf­tem­pe­ra­tur aktu­ell benö­tigt wird, um das Gebäu­de aus­rei­chend warm zu hal­ten. Bei Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren bis maxi­mal 50 °C arbei­ten Wär­me­pum­pen aus­rei­chend effi­zi­ent. Oft kann auch durch den Tausch ein­zel­ner Radia­to­ren die benö­tig­te Vor­lauf­tem­pe­ra­tur gesenkt wer­den


Kom­bi­na­ti­on Wär­me­pum­pe und her­kömm­li­ches Heiz­sys­tem
Ob zusätz­lich zur Wär­me­pum­pe ein wei­te­res Heiz­sys­tem not­wen­dig ist, um an beson­ders kal­ten Tagen die Räu­me aus­rei­chend tem­pe­rie­ren zu kön­nen, zeigt der Biva­lenz­punkt. Die­ser errech­net sich aus dem Wär­me­be­darf eines Gebäu­des – der soge­nann­ten Heiz­last – und der Heiz­leis­tung der Wär­me­pum­pe. Der Biva­lenz­punkt ist dann erreicht, wenn die Wär­me­pum­pe, abhän­gig von der Außen­tem­pe­ra­tur, ihre maxi­ma­le Heiz­leis­tung erbringt. Wird es noch käl­ter, muss zusätz­li­che Wär­me durch eine wei­te­re Wär­me­quel­le bereit­ge­stellt wer­den. Wie hoch der Biva­lenz­punkt gewählt wird, wie leis­tungs­stark eine Wär­me­pum­pe für ein bestimm­tes Gebäu­de dimen­sio­niert sein soll, ist eine öko­no­mi­sche Erwä­gung. Ein zu nied­ri­ger Biva­lenz­punkt führt dazu, dass im Jah­res­ver­lauf zu viel zusätz­li­che Wär­me erzeugt wer­den muss und das Sys­tem unren­ta­bel ist. Umge­kehrt kann ein zu zu hoch gewähl­ter Biva­lenz­punkt dazu füh­ren, dass die Wär­me­pum­pe unnö­tig über­di­men­sio­niert ist.

Bei Neu­bau­ten und Gebäu­den mit aus­ge­zeich­ne­tem ther­mi­schen Stan­dard liegt der Biva­lenz­punkt der Wär­me­pum­pe bei einer sehr nied­ri­gen Tem­pe­ra­tur. Da die­se nicht oder kaum unter­schrit­ten wird, ist meist kei­ne zusätz­li­che Wär­me­quel­le erfor­der­lich.
Muss die Wär­me­pum­pe ledig­lich an beson­ders kal­ten Tagen im Jahr durch ein wei­te­res – gering dimen­sio­nier­tes – elek­tri­sches Heiz­sys­tem unter­stützt wer­den, spricht man von einem mono­en­er­ge­ti­schen Betrieb. Der Biva­lenz­punkt der Wär­me­pum­pe liegt hier zwi­schen etwa ‑5 und ‑9 °C. Die zusätz­li­che elek­tri­sche Hei­zung wird nur an man­chen Tagen benö­tigt, sodass kein zusätz­li­ches Heiz­sys­tem wie Gas­hei­zung oder Pel­let­hei­zung ange­schafft wer­den muss

.Bei einer biva­len­ten Betrieb exis­tiert zusätz­lich zur Wär­me­pum­pe ein wei­te­res Heiz­sys­tem. Bei par­al­le­lem Betrieb wird ober­halb des Biva­lenz­punk­tes Wär­me aus­schließ­lich von der Wär­me­pum­pe bereit­ge­stellt. Unter­halb des Biva­lenz­punk­tes schal­tet sich das zwei­te, kon­ven­tio­nel­le Heiz­sys­tem zu.

Bei einem alter­na­ti­ven Betrieb stellt die Wär­me­pum­pe bei Tem­pe­ra­tu­ren unter­halb des Biva­lenz­punk­tes ihren Betrieb voll­kom­men ein; die Heiz­leis­tung wird aus­schließ­lich vom kon­ven­tio­nel­len Heiz­sys­tem erbracht.

Biva­len­te Heiz­sys­te­me – also der Betrieb von einem kon­ven­tio­nel­len Heiz­sys­tem zusätz­lich zur Wär­me­pum­pe – kann dann sinn­voll sein, wenn bereits ein kon­ven­tio­nel­les Heiz­sys­tem vor­han­den ist, man aber auf die Vor­tei­le einer Wär­me­pum­pe nicht ver­zich­ten will. Die Wär­me­pum­pe kann in die­sem Fall klei­ner aus­fal­len, da sie bei tie­fen Tem­pe­ra­tu­ren nicht die gesam­te Heiz­last zu tra­gen hat.


Die „klimaaktiv“-Heizungsmatrix gibt ers­te Infor­ma­tio­nen dar­über, wel­ches Hei­zungs­sys­tem für wel­ches Haus zu emp­feh­len ist:
www.energieinstitut.at/tools/matrixweb

Quel­len:
Frank Micha­el Bau­mann: Rat­ge­ber Wärmepumpen.Verbraucherzentrale NRW, Düs­sel­dorf 2023
Ver­band Wär­me­pum­pe Aus­tria

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